Die Geschichte des Ostseebads Sellin      (Quelle: Kurverwaltung Sellin)

Die Ortschaft Sellin wurde im Jahre 1295 als »Zelinische beke« erstmals urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vom slawischen Wortstamm »Zelino« ab. Das bedeutet: Grünes Land. Die »Beke« - oder der Bach, verweist auf einen deutschen Ursprung.
Über die Jahrhunderte gehörte das Dorf zur Grundherrschaft der nachmaligen Fürsten zu Putbus. Die Einwohner waren leibeigen und an die Scholle gebunden. Nach 1750 siedelten sich ein Weber und Schneider, ein Bäcker, ein Stellmacher und ein Schiffer in der Selliner Heide an. 1786 wurde das Dorf zu einem kleinen Ackerwerk und sechs Hofstellen eingerichtet.
104 Einwohner, davon 34 Freie, zählte Sellin im Jahre 1806 bei der Aufhebung der Leibeigenschaft. Mit der Übergabe der Insel Rügen an Preußen endete die Schwedenzeit (1648 – 1815).

Ab 1810 ließ Fürst Malte Wilhelm I. das Dorf »zum Zwecke der Fischerei« um zwölf neue Hausstellen vergrößern.
Mit dem Bau von Lübky's Hotels begann 1887 die Entwicklung Sellins zum Ostseebad. Doch erst mit der Anlage einer breiten Allee mit Promenadenwegen zum Außenstrand – der heutigen Wilhelmstraße – begann die eigentliche Blütezeit Sellins als
»Die Perle der Insel Rügen«. Zwischen 1896 und 1912 entstanden prachtvolle Villen im Stil der Bäderarchitektur, die noch heute den besonderen Reiz unseres Ostseebades ausmachen.
Die ersten Badeeinrichtungen am Strand waren sehr einfach und wurden durch die Damen und Herren gemeinsam genutzt. Bis 1905 wurden daraus getrennte Badeanstalten mit insgesamt 200 Zellen.

Bereits 1894 wurde ein Warmbad am Nordstrand betrieben - mit Meerwasser und in kupfernen Badewannen.
Viele Sommergäste reisten zur damaligen Zeit mit der Bahn über Berlin nach Stettin und weiter per Schiff in die Rügenschen Ostseebäder. Die einheimischen Fischer übernahmen mit ihren Segelbooten das Anlanden der Passagiere an den behelfsmäßigen Bootsstegen. Mit dem Bau der Seebrücke bekam Sellin im Jahre 1906 sein einmaliges Wahrzeichen. In ihrer langen Geschichte wurde sie mehrfach durch Stürme und Eisgang stark beschädigt oder zerstört. Ende der 70er Jahre musste das Brückenhaus wegen Verrottung abgerissen werden. Der Neubau der Selliner Seebrücke nach der Wende erfolgte in Anlehnung an das historische Vorbild von 1927.
Am 2. April 1998 wurde die neue Seebrücke mit einem Festakt an die Gemeinde übergeben.